Mehr Platz für Schweine im Stall

Boxberg

365 000 Euro hat Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) gestern beim Besuch der Landesanstalt für Schweinezucht (LSZ) in Boxberg (Main-Tauber-Kreis) mitgebracht. Damit soll die Erforschung neuer Haltungsverfahren von Muttersauen unterstützt werden. „Ein Weniger an Ideologie und ein Mehr an Fakten ist der Sache insgesamt dienlich“, sagte der Politiker im Hinblick auf die seiner Ansicht nach „teilweise realitätsfernen Debatten“. Die seit zehn Jahren bestehende Anstalt sei „ein bundesweiter Leuchtturm“, betonte Hauk. In Boxberg gewonnene Erkenntnisse seien nicht nur für die Bauern wichtig, sie würden auch in die gesellschaftliche und politische Diskussion eingebracht.

Mit dem Auftrag für den Leiter der LSZ, Hansjörg Schrade, reagierte das Land auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Magdeburg, das die derzeitige Haltung von Sauen als illegal bewertet hat. Die Tiere würden zu lange in zu engem Raum fixiert, nach EU-Vorgabe müssten sie sich aber „ungehindert“ ablegen können. Zwar plädierte auch Hauk für mehr Platz und mehr Bewegungsfreiheit in Gruppen, aber wegen der Verletzungsgefahr während der Rausche will er die Schweine fünf bis zehn Tage festbinden: „Das hat eine Schutzfunktion.“

Wie die Kollegen in Bayern und Sachsen sprach sich Hauk in bestehenden Ställen für eine Übergangszeit von 20 Jahren aus. Damit folgen sie dem Vorbild von Dänemark und Österreich. Bei Neubauten müssten die neuen Anforderungen allerdings sofort umgesetzt werden.

Dem Tierwohl räumt der Minister damit eine höhere Priorität ein. „Diesem eindeutigen Trend werden sich die Bauern nicht entziehen können“, sagte Hauk, der sich gleichwohl gegen „wirtschaftsferne Vorgaben“ aussprach. In den Ställen wurden, auch dank der Boxberger Experimente, zunehmend mehr technische Vorrichtungen zum Schutz der Tiere eingebaut. Der Großbrand in Blaufelden, bei dem 200 Muttersauen in den Flammen umkamen, ist für Hansjörg Schrade jedoch ein neuerlicher Beweis für die begrenzten Rettungsmöglichkeiten. „Die Schweine bringt man nicht so einfach raus, sie schrecken vor jeder Veränderung zurück“, sagte Schrade im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE. Im Notfall müssten die Landwirte und Feuerwehrleute sich deshalb lieber selber in Sicherheit bringen.

 

aus: http://www.swp.de/bietigheim/nachrichten/suedwestumschau/mehr-platz-fuer-schweine-im-stall-14726978.html [zugegriffen am 04.04.2017].